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Kameras machen keine Filme – Filmemacher machen Filme

Von Maya Deren, einer US-amerikanischen Regisseurin, Tänzerin und Filmtheoretikerin der 1940er und 1950er Jahre, stammt der folgende posthum veröffentlichte Essay "Amateur Versus Professional". Da mir keine deutschsprachige Fassung des Essays vorliegt, habe ich den Text auf eigene Faust übersetzt.

Amateur versus Profi

Das Hauptproblem von Amateurfilmern ist ihr eigenes Minderwertigkeitsgefühl gegenüber professionellen Produktionen. Schon die Klassifizierung "Amateur" hat einen entschuldigenden Klang. Aber genau dieses Wort - vom lateinischen "Amateur" - "Liebhaber" bedeutet einen, der etwas aus Liebe zur Sache und nicht aus wirtschaftlichen Gründen oder aus Notwendigkeit tut. Und das ist die Bedeutung, aus der der Amateurfilmer seine Vorstellungen ableiten sollte. Statt die Drehbuch- und Dialogautoren, die ausgebildeten Schauspieler, die aufwendigen Stäbe und Sets, die enormen Produktionsbudgets des professionellen Films zu beneiden, sollte der Amateur den einen grossen Vorteil nutzen, um den ihn alle Profis beneiden, nämlich die Freiheit - sowohl künstlerisch als auch physisch.

Künstlerische Freiheit bedeutet, dass der Amateurfilmer niemals gezwungen ist, visuelle Dramatik und Schönheit einem Strom von Wörtern, Wörtern, Wörtern, Wörtern, der schonungslosen Handlung und den Erklärungen eines Plots oder der Darstellung eines Stars oder des Produkts eines Sponsors zu opfern; auch wird von der Amateurproduktion nicht erwartet, dass sie einen Gewinn aus einer gewaltigen Investition erzielt, indem sie die Aufmerksamkeit eines grossen und bunt zusammengewürfelten Publikums 90 Minuten lang auf sich zieht.

Wie der Amateur-Fotograf kann sich der Amateur-Filmemacher der Poesie und Schönheit von Orten und Ereignissen widmen und, da er eine Filmkamera verwendet, die weite Welt der Schönheit der Bewegung erforschen (einer der Filme, der 1958 mit einer lobenden Erwähnung bei den Creative Film Awards ausgezeichnet wurde, war ROUND AND SQUARE, eine poetische, rhythmische Behandlung der tanzenden Lichter von Autos, die über Autobahnen, unter Brücken usw. fuhren). Anstatt zu versuchen, eine Handlung zu erfinden, die bewegt, könnte man die Bewegung oder den Wind oder das Wasser, die Kinder, die Menschen, die Aufzüge, die Bälle usw. als ein Gedicht verwenden, um diese zu würdigen. Und nutzen Sie Ihre Freiheit, mit visuellen Ideen zu experimentieren; Ihre Fehler werden nicht dazu führen, dass Sie gefeuert werden.

Die physische Freiheit schliesst die zeitliche Freiheit ein - eine Freiheit von den durch das Budget auferlegten Fristen. Vor allem aber hat der Amateurfilmer mit seiner kleinen, leichten Ausrüstung eine Unauffälligkeit (für freies Filmen) und eine physische Mobilität, um die ihn die meisten Profis beneiden, die durch ihre tonnenschweren Monster, Kabel und Crews belastet sind. Vergessen Sie nicht, dass noch kein Stativ gebaut wurde, das so wunderbar beweglich ist wie das komplexe System von Stützen, Gelenken, Muskeln und Nerven, das der menschliche Körper darstellt, das mit etwas Übung die enorme Vielfalt an Kamerawinkeln und visuellen Aktionen ermöglicht. All dies und auch das Gehirn haben Sie in einem übersichtlichen, kompakten und mobilen Gehäuse. Kameras machen keine Filme; Filmemacher machen Filme.

Verbessern Sie Ihre Filme nicht durch zusätzliche Ausrüstung und Personal, sondern indem Sie das, was Ihnen zur Verfügung steht, voll ausnutzen. Der wichtigste Teil Ihrer Ausrüstung sind Sie selbst: Ihr mobiler Körper, Ihr phantasievoller Geist und Ihre Freiheit, beides zu nutzen. Vergewissern Sie sich, dass Sie sie auch benutzen.

Quelle: Film Culture 39 (1965): 45–46.

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